29.10.2013

STADER TAGEBLATT

 

Provokantes und Amüsantes

Beim Liederabend in der Harsefelder Bücherei geht es ganz schön frech zu

Clemens Kröger und Michael Ransburg begeisterten.

 

HARSEFELD. Zu einem besonderen Liederabend lud jetzt die Friedrich- Huth- Bücherei in ihren frisch renovierten Lesesaal ein. Dort präsentierten der Pianist Clemens Kröger gemeinsam mit Schauspieler und Sänger Michael Ransburg mit dem Programm „Ganz schön frech“ Lieder und Texte von Bertolt Brecht und Georg Kreisler zu den großen Themen des Menschseins: Liebe, das Böse, Lüge, Geld und Kunst. Von Beginn an zog Ransburg das Publikum äußerst charmant in seinen Bann. Gleich mit dem ersten Lied „Haben Sie schon mal im Dunklen geküsst“ bewirkte er durch direkten Dialog mit seinen Zuhörern eine schöne intime Atmosphäre. Vom Küssen ging es dann schnell weiter. Die beiden Vollblutkünstler hatten sichtlich Spaß, die etwas schwereren Stücke Brechts durch Abstecher in die Moderne aufzulockern. So mündete das Lied von Liebe in einer James-Brown-Version von „Sexmachine“ – und die verzweifelte plötzlich Schwangere muss sich zum Erzeugen deutschen Nachwuchses in ihr vorherbestimmtes Schicksal fügen. Während die provokanten und zum Teil sehr harten Texte von Bertolt Brecht meist auch mit dramatischer Klaviermusik unterlegt waren, bestachen die scharfzüngigen Texte des jüdisch-österreichischen Kreisler noch zusätzlich durch beinahe unpassend fröhliche Melodien. Auch übers Böse als Teil des Menschseins hatten Kröger und Ransburg einige Stücke im Repertoire. Das Lied von der Hexe von Georg Kreisler, das als Metapher für Fremdenhass und Judenverfolgung zu erkennen war, erschreckte durch seine noch heute bestehende Aktualität. Ransburg ließ es sich bei diesem Thema nicht nehmen, auch sein tänzerisches Talent zu Michael Jacksons I’m Bad unter Beweis zu stellen. Nach einer kurzen Pause wurde es etwas leichter , und beim Thema „Lüge „auch reichlich politisch.

Besonders Georg Kreisler hatte es auf die Staatsführungen abgesehen. Bei „ Der Staatsbeamte“ wurde durch die hingebungsvolle Interpretation von Michael Ransburg auch dem Letzten im Publikum klar, warum das Programm Ganz schön frech“ hieß: Hier ging es sehr ausführlich um die Kunst des „Arschkriechens“ und dem. Von hier aus war es dann auch kein weiter Weg mehr zum Furz, der sich aus der Lokalpolitik nach oben stinkt, zur Debatte wird, weil keiner ihn riechen will, dann zum Gesetz wird und so Demokratie beschreibt. Besonders in der zweiten Hälfte des Liederabends zeigten Sänger und Pianist ein grandioses Zusammenspiel und ihr ganzes Können. Ransburg machte dabei ganz deutlich, dass er nicht nur stimmgewaltig, sondern auch ein begnadeter Schauspieler ist: Egal ob Pariser Dame, Wiener Schmäh, Ungarisches Gulasch, Schweizer Bergbauer, unmusikalischer Musikkritiker oder eine authentische Hitlerparodie -Ransburg machte vor nichts Halt und überzeugte auch den letzten Bücherreibesucher. (eic)