Mannheimer Morgen  12.02.2011                                                  Rhein-Neckar-Zeitung    12.02.2011

 Neckarshausen: Clemens Kröger und Michael Ransburg im Schloss                                           Reflexion „um Liebe, Nacht und Traum“

den „Taucher“, die –weil vom unmensch­lichen Herrscher ein zweites Mal gefordert – tragisch endet.

    Ransburg studierte an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg und spielte danach in Bochum, bei den Salz­burger Festspielen, am Wiener Burgthea­ter und auf anderen namhaften Bühnen. Zudem ist er jüngstes Ensemblemitglied am Schauspielhaus Zürich.

   In Clemens Kröger hat Ransburg nicht nur einen zuverlässigen Begleiter, sondern einen so erfahrenen wie virtuosen Solisten an der Seite. Kröger studierte Klavier und Gesang, arbeitet als Solo-Pianist, Kam­mermusiker, Arrangeur und Gastdozent. Rund 100 Konzerte pro Jahr, oft bei Festi­vals von Rang und Namen, sowie zahlrei­che CD-Einspielungen zeigen ihn als viel­seitigen und gefragten Meister der Tasten.

   Am beeindruckendsten unterstrich er das mit dem 1. Satz von Beethovens 5. Sinfo­nie in der kongenialen Klavierfassung von Franz Liszt. „So klopft das Schicksal an die Pforte“, soll Beethoven die berühmten vier Motiv-Schläge gedeutet haben. Da passte der Konter zur schicksal-bezwin­genden „Bürgschaft“ genau. Packend auch Ransburgs „Erlkönig“-Rollenspiel oder „Die Füße im Feuer“ von C.F. Meyer, denen Kröger Werke von Granados, Cho­pin und Bach gegenüberstellte. Und noch ein kleiner Witz: Auf Ringelnatz „Der Ohrwurm“ stimmte Kröger prompt Beet­hovens Evergreen „Für Elise“ an. Was sein Kollege „entsetzt“ unterband: „Nur weil ich vom Ohrwurm rede, brauchen Sie nicht gleich einen zu spielen!“

 

Edingen-Neckarshausen. (sti) „Wer wagt es, Rittersmann oder Knapp“...?“ Für die mei­sten der Besucher des VHS-Konzerts im Neckarshäuser Schloss dürfte Schillers „Taucher“ noch Schul-Pflichtlektüre gewe­sen sein. Doch ob sie die großartige Ballade je so fantastisch rezitiert hörten, wie von Michael Ransburg? Der junge Schauspieler brillierte bei dieser lyrisch-musikalischen Soiree gemeinsam mit dem Pianisten Cle­mens Kröger.

Was nicht ahnen lässt, wie breit hier die Palette ist, von der Originalität ganz zu schweigen. Wohl gab es im musikalischen Rahmen mehrere Werke des Leipzigers, etwa das berühmte Präludium in C, mit dem Kröger Goethes nicht minder bekanntes Gedicht „Mignon“ und die darin blühenden Zitronen umgarnte. Doch allein schon, dass as toll harmonierende Duo prompt mit dem Schlager „Die Caprifischer“ stillte, zeigt die Bandbreite dieser Reflexion „um Liebe, Nacht und Traum“.

Schon „Wanderers Nachtlied“, gesprochen auf Bachs Sinfonia in g-moll belegte, dass mit Michael Ransburg ein echter Könner seines Fachs rezitierte. Wie er aber Schillers „Bürgschaft“ nicht vortrug, sondern vor­lebte, im ständigen Rollenwechsel, mit enorm umfangreicher, vielfarbig wandeln­der Stimme, das war Gänseshaut pur. Da kämpfte sich der zur Rettung des todge­weihten Freundes Eilende durch immer neue Naturgewalten, da labte sich das eiskalte Tyrannenherz an der eigenen Bosheit, um am Ende geläutert das „in Eurem Bunde der Dritte“ zu erbitten. Ebenso großartig folgte die oben erwähnte königliche Mutprobe für

 

 

 

 

....auch wenn mit Kröger ein in­ternational renommierter Pianist verpflichtet worden war. Aber er war ja nicht allein da. „Bachbal­laden“ wird zusammen mit dem Schauspieler Michael Ransburg vorgetragen, und was die beiden an diesem Spätnachmittag auf die Bühne brachten, war – tiefgesta­pelt – allererste Sahne.

   Der Titel des Programms rührt mit daher, dass der überwiegende Teil der Musik aus Johann Seba­stians Feder stammte. Daneben begeisterte Kröger mit Klavier­musik von Chopin, Granados und Loewe. Ransburg, sein sprechen­der und singender Partner, ist erklärter Goethe-Fan, kramte jedoch weiter in der Klassikerki­ste und fand dazu noch Gedichte von Schiller, Herder, K.F. Meyer und Ringelnatz.

  Es waren gleich mehrere Aspekte, die die Vorstellung zu einem unvergesslichen Erlebnis werden ließen. Da wäre als Erstes die Sprache. Das Herz ging auf, als man endlich wieder Deutsch in all seiner Wortgewalt, Ur­sprünglichkeit und Vielfalt zu hören bekam: die Power (das ist Neo-Deutsch) bei Goethes „Pro­metheus“, das Brachiale bei Her­ders „Edward“, das idyllische bei Goethes „Wanderers Nachtlied“.Heine hätte noch gut in diesen Kreis gepasst, ein weiterer Großmeister auf der Klaviatur der deutschen Sprache.

Als solcher auf den Tasten des Flü­gels erwies sich Clemens Kröger. Ob es die Courante, das Preludio, die Sa­rabande und der Passepied aus Bachs Englischer Soute in e-Moll war, die mit scheinbar

 

spielerischer Leichtig­keit vorgetragenen Nocturnes von Chopin, die Morbidität von Granados „El amor y la muerte“ oder das Alle­gro aus Beethovens Schicksalssinfonie – der Pianist verführte, entführte und verzauberte.

   Vermeinte man anfangs, Michael Ransburg wüsste nichts mit seinen Händen anzufangen, weil er die Arme während des Vortrags einfach hän­genließ, wurde spätestens beim „Zau­berlehrling“ eines Besseren belehrt – da fegte er geradezu über die Bühne, zog alle Register von Gestik, Mimik und Stimme. Er bedurfte auch nicht ausgeprägter gestischer Begleitung. Ransburg versteht es, seine Stimme genial typenflexibel einzusetzen, pas­send zum jeweiligen Gedicht. Schillers „Bürgschaft“ würde von Schülern um einiges lieber auswendig gelernt, hät­ten sie diese Eindringlichkeit der De­klamation miterlebt. Und Herders „Edward“ zur Musik von Carl Loewe geriet geradezu Gänsehaut erzeugend, die Geister im „Erlkönig“ wurden lebendig.

Dramaturgisch perfekt aufbereitet, nahmen die beiden immer wieder die Spannung heraus, nur um das Publikum danach noch mehr zu fordern. „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut!“ Mit Goethes „Das Göttliche“ ging ein Abend zu Ende, der – nein, nicht göttlich war -, der aber den Zuhörern den Dichterhimmel auf höchst angenehme Weise ein gutes Stück nähergebracht hatte.

                                                             ths

 
Den Dichterhimmel ein Stück nähergebracht                                   Lyrisch-musikalische Soiree mit Michael Ransburg und Clemens Kröger