SÜDWEST PRESSE ULM / Neu-Ulm   01. März 2011

 

Breites Gefühlsspektrum

Laichingen:  Violoncellist Daniel Sorour und Pianist Clemens Krö­ger eroberten das Kammermusik-Publikum in Laichingen mit barocker Stringenz, lyrischen Melodien und südländischer Lebensfreude.

Musikalisch führten die beiden Hamburger Daniel Sorour mit dem Violoncello und Pianist Clemens Kröger vom Hochbarock ins Heute, emotional erlebten die Zuhörer der Kammermusik ein breites Gefühlsspektrum. Die beiden Musiker präsentierten die Bachfamilie gleich mit drei Vertretern. Carl Philipp Emanuel Bach, fünftes Kind des berühmten Vaters Johann Sebastian, erklang in fast strenger Barockmanier mit der Sonate in D-Dur, ursprünglich für Gambe und Tasteninstrument komponiert. In enger Linienführung jagten sich treibende Ton­leitern und akzentuierende Punktierungen im Allegro con brio, welches das zuvor ertönte Adagio in seiner Ruhe fast kühl und distanziert erscheinen ließ. Nachhaltig in Erinnerung bleiben werden das Larghetto und Rondo von Johann Christoph Friedrich Bach, dem dritten der vier komponierenden Söhne des Thomaskantos. Die facettenreiche Komposition mit ihren phantasievollen Kadenzen interpretierten Sorour und Kröger überaus sinnlich. Mit großartiger Agogik eilten sie im sich steigerndem Tempo durch diesen musikalischen Dialog, den Spannungsbogen mit bravouröser Dynamik bis zur Coda straff gehalten und entlockten dem Publikum einen wohligen Seufzer. Das berühmte „Air“ aus der Suite Nr. 3 von Johann Sebastian Bach beendete diese „Bach-Trilogie“ mit wabernden Cellostrichen und einem erdenden, fast metronomartigen Anschlag am Flügel.

Pianist und Cellist überzeugten an diesem Morgen neben einem harmonischen Zusammenspiel mit raffinierten Phrasierungen und technisch versierten Tonläufen. Beste Gelegenheit für die beiden Musiker, kompositorisch erarbeitete Kontraste im direkten Vergleich darzubringen, hatten sie mit Variationen zu Werken von Mozart. Beethovens sieben Variationen über „Bei Männern, welche Liebe fühlen“ aus der Zauberflöte hüllten die Zuhö­rer in einen Strudel aus perlenden Klavierklängen und fließenden Cellostrichen. Lyrische Melodien tauchten in zart geführten Kanatilenen auf, kontrastierten mit volksliedartigen sanglichen Passagen und selbstbewussten Fortesequenzen. Fanz Danzi’s teils schnelle, reich verzierte Variationen zum Duett „Reich mir die Hans“ aus Don Giovanni erforderten hohe Fingerfertigkeit und Bogentechnik. Sorour entlockte seinem Cello höchste Töne und präsentierte dabei das breite Klangspektrum seines Instsruments.

Alle Facetten der Klanggestaltung offenbarte der Cellist mit seinem Instrument im feurigen spanischen Tempe­rament der Komponisten Enrique Granados und Manuel de Falla. Das üblicherweise düster klingende Violin­cello durfte in leidenschaftlichen Passagen seine Nähe zur Gesangstimme beweisen. Voller Inbrust ließ So­rour den Bogen samtig über die Saiten streichen, entlocke seinem Cello hier im tänzelnden Spiccato, dort im gezupften Pizzicato, dann wie auf der Gitarre gezupft, die phantastische Lebensfreude dieser spanischen Kompositionen. Wild auflodernd in hackenden Stakkati jagten Clemens Krögers Finger auf dem Piano beim schnellen Polo wie im Hürdenlauf über die Tastatur, mit der linken Hand kompliziert übergreifend, sein dyna­misches, ergreifendes Spiel beeinträchtigte nie seine klare Anschlagskultur. Das Publikum erklatschte sich zwei Zugaben von den beiden Künstlern.                                                                    SABINE GRASER-KÜHNLE